„Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“. Diese Aufforderung zum genussvollen Essen von Winston Churchill sollten wir uns „zu Herzen“ nehmen, wenn wir uns Gedanken über eine gesunde Ernährung machen. Essen ist ein Genuss und den sollten wir uns nicht nehmen lassen. Wichtig ist dabei nur, dass wir das Richtige essen. Wenn wir uns bewusst ernähren, können wir genießen und zugleich die Gesundheit und Lebensqualität verbessern!

In der heutigen Zeit sind wir einem Nahrungsmittelüberangebot ausgesetzt, das die menschliche Bequemlichkeit ausnutzt, indem die schnelle Küche oder „fast food“ allgegenwärtig sind. Unsere Sinne werden zum Teil mit ausgeklügelter Werbung verführt, so dass wir ständig Kalorien in Form von „energiedichter“ Nahrung im Übermaß zu uns nehmen. Eine stetige Gewichtszunahme ist so fast unvermeidbar. Nicht umsonst sind 70% der Männer und 50% der Frauen in Deutschland übergewichtig.

Die Konsequenzen des Übergewichts sind jedoch dramatisch: Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhte Blutfette und alle damit verbundenen Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems werden zu Volkskrankheiten. Aber auch Schäden am Bewegungsapparat, psychische Belastungen und Tumorleiden treten gehäuft auf.

Wie kann man nun aber dieser Spirale der Fehlernährung entgehen? Es ist in aller erste das Bewusstsein über das was wir essen und wie wir essen. Der bewusste Gang durch den Supermarkt und auf den Wochenmarkt, der bewusste Verzicht auf energiehaltige Süßigkeiten und Unmengen Fett...nur so erkennen wir unsere meist schon in der Kindheit eingespielten Ernährungsgewohnheiten und nur so können wir diese ändern. Gerade Patienten mit Gefäßerkrankungen, Übergewicht, Diabetes mellitus oder Cholesterinerhöhung benötigen eine für sie individuell abgestimmte Ernährung, die die bestehenden Erkrankungen aber auch die Ernährungsgewohnheiten und Vorlieben des jeweiligen Patienten berücksichtigt.



Ernährung und die "Risikofaktoren"

Herzinfarkt, Schlaganfall, Schaufensterkrankheit und vieles andere sind Folgen von Erkrankungen unseres Gefäßsystems. Die zarten Gefäße unseres Körpers transportieren das Blut und regulieren fein abgestimmt den Blutfluss in alle Organe. Über die Jahre werden die Gefäße starrer und es kann zu Schäden an der Gefäßwand sowie Ablagerungen, sogenannten Plaques, kommen. Diese Entwicklung nennt sich Atherosklerose oder Gefäßverkalkung und ist ein fortschreitender Prozess. An die geschädigte Gefäßwand können sich nun Blutgerinnseln festsetzen und das Gefäß kann sich sogar komplett verschließen. Wenn dann ein lebensnotwendiges Organ nicht mehr durchblutet wird kann es akut zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Das Fortschreiten der Atherosklerose hängt maßgeblich von einigen wenigen Risikofaktoren ab, die wir „kardiovaskuläre Risikofaktoren“ nennen und die wir zum Teil wesentlich beeinflussen können: Rauchen, die genetische Belastung, erhöhte Blutfette, Bluthochdruck, Blutzuckererhöhung, Übergewicht.

Rauchen ist das pure Gift für die Gefäße, kein anderer Risikofaktor ist so bedeutend. Es gibt viele Wege, das Rauchen aufgeben zu können - wenn der Wille dazu besteht. Wir beraten Sie gerne.

Die familiäre Belastung ist zum Teil sehr bedeutend, wir können sie aber nicht ändern. Das Wissen über unser genetisch bestimmtes Risiko erlaubt allerdings die Planung spezieller Maßnahmen zur Vorbeugung von Erkrankungen. Familiär bedingtes Übergewicht sollte daher nicht hingenommen werden, sondern zu einer besonders sorgsamen Ernährung führen.

Die Gefährdung durch Blutfetterhöhung wird besonders durch die Höhe des Cholesterins bestimmt. Cholesterin ist eine lebenswichtige Substanz, die zum Teil durch Nahrung aufgenommen wird, größtenteils aber von unserem Körper selbstständig produziert wird. Aus ihm werden z.B. Hormone wie Cortisol hergestellt. Ein Zuviel an Cholesterin führt jedoch zu Ablagerungen in den Gefäßwänden, wobei es als LDL-Cholesterin zu den Gefäßen hintransportiert wird und als HDL-Cholesterin von den Gefäßen wegtransportiert wird. Nicht umsonst wird daher das „H“ab „D“ich „L“lieb-Cholesterin als das „gute“ Cholesterin bezeichnet und das LDL-Cholesterin als das „schlechte“ Cholesterin. Durch die Ernährung können die Blutfette sehr positiv beeinflusst werden, dennoch ist häufig eine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig; häufig werden sogenannte „Statine“ eingesetzt, die am Abend eingenommen werden, um die in der Nacht gesteigerte Cholesterinproduktion im Körper zu hemmen.

Langjähriger Bluthochdruck schädigt das Gefäßsystem und fördert die Atherosklerose. Gefährliche Blutdruckentgleisungen können akut zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzschwäche führen. Leider bleibt Bluthochdruck oft über viele Jahre unerkannt so dass bereits Organschäden aufgetreten sind, so z.B. Nierenfunktionsstörungen, Verdickung des Herzmuskels, Verengung der Herzkranzgefäße oder Schäden an den Augen. Die Ernährung hat wesentliche Auswirkungen auf den Blutdruck: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme von 5-10kg den gleichen blutdrucksenkenden Effekt wie ein hochdosiertes Medikament haben. Ebenso kann der Verzicht auf Salz eine deutliche Blutdrucksenkung bewirken.

Die Blutzuckererhöhung, kurz „Diabetes“ ist eine Wohlstandserkrankung. Nach dem Krieg hatte 1% der deutschen Bevölkerung Diabetes, was etwa dem wahren angeborenen Anteil an Diabetikern entsprechen dürfte. Heute haben über 10% der Menschen in Deutschland Diabetes. Grund dafür sind Übergewicht und Bewegungsmangel. Beim häufigeren Diabetes mellitus Typ 2, auch Altersdiabetes genannt, kommt es zu einer sogenannten Insulinresistenz der Muskulatur. Diese entsteht durch Übergewicht und Trainingsmangel. Normalerweise führt der Zucker, der nach dem Essen in die Blutbahn gelangt, zu einem Anstieg von Insulin im Blut, das wiederum den Zucker in die Muskulatur transportiert. Hier wird der Zucker als Energiereserve gespeichert. Bei einer Insulinresistenz muss wesentlich mehr Insulin produziert werden, um den Zucker in die Muskulatur zu „pressen“. In der Folge steigen sowohl der Insulin- als auch der Blutzuckerspiegel im Blut an. Fataler Weise steigert Insulin zudem den Appetit, so dass noch mehr gegessen wird. Da Diabetes zu schweren Gefäßveränderungen führt sollte er möglichst gut eingestellt werden. Mit der richtigen Ernährung kann er sogar „geheilt“ werden, indem die Insulinresistenz beseitigt wird.

Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterinbelastung können also durch eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität behandelt und oft beseitigt werden. Viele Medikamente werden so überflüssig. Auch andere Risikofaktoren, wie schleichende Entzündungen an den Gefäßen können wahrscheinlich durch eine entsprechende Ernährung (z.B. grüner Tee) beeinflusst werden. Auch in den kommenden Jahren werden wir daher sicherlich noch viel über die heilende Kraft einer gesunden Ernährung lernen.

Unsere Ernährungsgewohnheiten werden schon in frühester Kindheit erlernt und sind daher nur schwer umzustellen. So beurteilen wir die Qualität und Quantität der benötigten Nahrung zum Teil völlig falsch. Zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viel Salz, zu wenig Gemüse und Obst. Dabei heißt gesundes Essen nicht „Verzicht auf Genuss“. So sind ein Stück schwarze Schocklade oder ein Glas Rotwein am Tag nachgewiesenermaßen gesundheitsfördernd. Die vielgeschätzte „Mittelmeerdiät“ verringert die Sterblichkeit. Die Prognose einer koronaren Herzerkrankung wird schon bei mindestens einer Fischmalzeit pro Woche deutlich verbessert.

Ernährung ist Medizin und richtig zubereitet mit Sicherheit eine der angenehmsten Therapien um Risikofaktoren zu beseitigen. Auf dem Tempel von Delphi waren zwei Inschriften angebracht, die uns ein Leitbild auch bei der täglichen Ernährung sein sollten: „Alles in Maßen“ und „Erkenne Dich selbst“.