Hier werden die Ergebnisse neuer, wichtiger Studien aus dem Bereich der Kardiologie kurz und verständlich vorgestellt.



Blutverdünnung bei Vorhofflimmern und Koronarstents? Gibson CM et al., Circulation 2016

Wegen Vorhofflimmern ist häufig aufgrund des Schlaganfall-Risikos eine Blutverdünnung (z.B. Marcumar, Xarelto, Lixiana, Eliquis, Pradaxa) erforderlich. Was aber ist zu tun, wenn ein Stent in ein Koronargefäß implantiert wurde, weil ein Herzinfarkt behandelt oder verhindert werden muss? Der Stent erforderte bisher beinahe zwingend die Behandlung mit ASS und einem zusätzlichen Medikament (z.B. Clopidogrel, Ticagrelor, Prasugrel) über bis zu 12 Monate um sicher den fürhzeitigen Verschluss des Stents zu verhindern. Folge war daher die Behandlung mit 3 blutverdünnenden Substanzen, so dass das Blutungs-Risiko deutlich anstieg. In der PIONEER AF-PCI-Studie wurde nun geprüft, ob auf eine der Substanzen verzichtet bzw. die Dosis reduziert werden kann. Ergebnis: Weniger Blutungen bei unverändert niedrigem Risiko für Schlaganfälle und einen Stentverschluss.

FAZIT: Bei Vorhofflimmern und Stentimplantation ist eine 3-fach Blutverdünnung oft nicht mehr zwingend erforderlich

Link: https://www.kardiologie.org/vorhofflimmern/vorhofflimmern-plus-stent-neue-therapieregime-senken-blutungsris/11047570

Neues Medikament bei Herzschwäche. McMurray JJ et al.: N Engl J Med 2014

Die PARADIGM-HF-Studie zeigt die Überlegenheit der Therapie mit dem Angiotensin-Rezeptor-/Neprilysin-Inhibitor, kurz ARNI, gegenüber der Standardtherapie mit ACE-Hemmern bei einer definierten Gruppe von Patienten mit Herzinsuffizienz.

FAZIT: Der neue Ansatz zur Behandlung der Herzschwäche dürfte für ausgewählte Patienten eine Besserung von Prognose und Symptomen bieten.

Link: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1409077#t=article

Polypille für Gesunde? Yusuf, New England Journal of Medicine 2016

In der "HOPE 3"-Studie wurde der Effekt von zwei möglichen Komponenten einer Polypille getestet: Bluthochdruckmedikamente und Statine - also Cholesterinsenker. Mit den Statinen ließ sich die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Risikopatienten deutlich reduzieren. Zusätzlich gegebene Blutdrucksenker verstärkten den Effekt nur minimal. Das Problem: Anders als erwartet gab es nicht weniger Todesfälle. Cholesterinsenker können bei bestimmten Menschen Schlaganfällen und Herzinfarkten vorbeugen – aber sie sorgen nicht generell für ein längeres Leben.

FAZIT: Es überrascht nicht, dass die "Polypille für alle" nicht empfohlen werden kann.

Link: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1600177


Selbsthilfe bei Herzrasen: Bei vielen "supraventrikulären Tachykardien" hilft das optimierte Valsalva-Manöver
Appelboam et al. Lancet 2015

Bei Herzrasen aus dem Vorhof kann in bestimmten Fällen das Valsalva-Manöver (sitzend, angehobener Oberkörper, mäßiger Atemdruck gegen den geschlossenen Mund) über mehrere Sekunden helfen. Deutlich verbessert wird das Manöver, wenn man sich danach hinlegt - die Beine erhöht. Diese einfache Veränderung der Technik führt zu einer Steigerung der Erfolgsrate (normaler Herzrhythmus) von 17% auf 43%.

Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=appelboam+lancet+2015


SPRINT-Studie: 120 ist das neue 140 beim Blutdruck, SPRINT Research Group, NEJM 2015

Menschen mit kardiovaskulärer Erkrankung profitieren von einem noch niedrigeren Zielblutdruck als bisher gedacht. Das zeigt die aktuelle SPRINT-Studie. Es wurden 9.361 Patienten (über 50 Jahren) in eine Therapiegruppe mit einem Zielblutdruck von systolisch <120 mmHg oder <140 mmHg zugeteilt. Die Gruppe mit dem niedrigeren Zielblutdruck hatte fast 1/4 weniger Todesfälle und fast 1/3 weniger kardiovaskuläre Ereignisse, so dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Doch auch Nebenwirkungen traten häufiger auf.

Schwankender Blutdruck so gefährlich wie Bluthochdruck, Paul Muntner, Ann Intern Med. 2015

Bei Patienten, bei denen der systolische Blutdruck am stärksten schwankte, war das Risiko für tödliche koronare Herzkrankheiten oder nicht letalen Myokardinfarkte um 30 % erhöht. Die Gesamtmortalität stieg sogar um 58 Prozent, das Risiko für einen Schlaganfall um 46 und das für Herzinsuffizienz um 25 %. Auch ein schwankender diastolischer Blutdruck ging in der Studie mit einer Häufung von kardiovaskulären Ereignissen und einer erhöhten Sterblichkeit einher.
Schwankender Blutdruck kann viele Ursachen haben und auch durch andere Erkrankungen verursacht werden, beispielsweise durch Störungen der Schilddrüsenfunktion. Auch in den Wechseljahren können schwankende Blutdruckwerte auftreten. Die Ursachen sollten auf jeden Fall genau abgeklärt und gegebenfalls Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Link: http://annals.org/article.aspx?articleid=2398909i

FAZIT: Starke Blutdruckschwankungen sollten vermieden bzw. abgeklärt werden


Marcumar-Pause: In vielen Fälle vor Eingriffen ohne Probleme möglich, Douketis, N Engl J Med. 2015

Die BRIDGE-Studie zeigt, dass in vielen Fällen eine Marcumar-Pause im Rahmen von operativen Eingriffen möglich ist, ohne dass als Ersatz Heparin verabreicht werden muss. Entschieden werden kann dies aber NUR vom Arzt.

Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26095867


Blutdruck: Große Amplitude, großes Risiko, Franklin S, Hypertension 2015, 65:299-305 21.01.2015

Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie haben nach einem kardiovaskulären Ereignis vor allem bei weiter Blutdruckamplitude ein hohes Rezidivrisiko. Ein niedriger diastolischer Blutdruck gilt bei diesen Patienten schon länger als Indikator für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Patienten mit niedrigem diastolischen Druck (<70mmHg) hatten im Vergleich zu normalem DBP (70-89mmHg) eine rund fünffach erhöhte kardiovaskuläre Ereignisrate. Der erhöhte Pulsdruck macht den Unterschied. Es waren in erster Linie die Patienten mit niedrigem diastolischen und hohem systolischen Blutdruck (dadurch erhöhter Pulsdruck von > 67 mmHg) auf die das erhöhte Rezidivrisiko in zurückzuführen war.

FAZIT: Neben dem systolischen und diastolisch Blutdruck muss auch deren Differenz, der Pulsdruck beurteilt werden.

Link: http://www.kardiologie.org/blutdruck-grosse-amplitude-grosses-risiko/45430



Survival and long-term outcomes following bioprosthetic vs mechanical aortic valve replacement in patients aged 50 to 69 years. Chiang YP et al. JAMA. 2014;312:1323-9

FAZIT: Mechanische und biologische Aortenklappen offerieren den Patienten exakt die gleichen Langzeitüberlebensaussichten, so das Ergebnis einer kürzlich in JAMA publizierten Arbeit. Patienten können ihre Entscheidung davon abhängig machen, ob sie eher das Reoperationsrisiko gering halten möchten oder ob sie lieber die Blutverdünnung (Antikoagulation) vermeiden möchten.

Link: http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1910112


Low-Risk Diet and Lifestyle Habits in the Primary Prevention of Myocardial Infarction in Men: A Population-Based Prospective Cohort Study. Akesson A et al. J Am Coll Cardiol. 2014;64:1299-306.

FAZIT: Wenn 5 gesunde Verhaltensweisen eingehalten werden, können fast 4 von 5 Herzinfarkten bei Männern verhindert werden:
1. Gesunde Ernährung, 2. Allenfalls moderater Alkoholkonsum, 3. Kein Nikotin, 4. Körperliche Aktivität, 5. Gesundes Körpergewicht.
Das gilt für gesunde Männer und für solche mit erhöhtem Cholesterin oder Bluthochdruck.

Link: http://content.onlinejacc.org/article.aspx?articleid=1909605


"Walken für ein längeres Leben": Leisure Time Physical Activity of Moderate to Vigorous Intensity and Mortality: A Large Pooled Cohort Analysis. Moore S et al. PLOS Medicine 2012

FAZIT: Personen, die zweieinhalb Stunden pro Woche walken gingen lebten im Durchschnitt 3,4 Jahre länger als absolute Bewegungsmuffel. Doch auch schon weniger Bewegung zahlte sich aus: Wer nur die Hälfte der empfohlenen Aktivitätszeit absolvierte, lebte im Durchschnitt immer noch 1,8 Jahre länger als Personen, die gar keinen Sport trieben. Besonders motivierte Teilnehmer, die sogar das Doppelte des empfohlenen Sportpensums schafften, gewannen 4,2 Jahre Lebenszeit hinzu.

Link: http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1001335